Großbrand

11.4.2010, 23:30 Uhr Einsätze

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Inferno in Schwalenberg
Entsorgungsfirma brennt vollkommen aus – Großeinsatz aller verfügbaren Wehren

ImageVON MARIANNE SCHWARZER. Schieder-Schwalenberg. Mehrere Millionen Sachschaden und diverse Umweltschäden – der Brand eines Schwalenberger Entsorgungsbetriebes hat die ostwestfälischen Wehren in der Nacht zu Montag in Atem gehalten.

Als die Sirenen kurz vor Mitternacht alle verfügbaren Feuerwehrkräfte Lippes nach Schwalenberg rufen, färbt der Widerschein des Feuers den Himmel über der Julius-Müller-Straße bereits glutrot. "Wir haben den Schein schon von Nessenberg aus gesehen", wird einer der Wöbbeler Blauröcke am Morgen danach erzählen.

Passanten haben das Feuer entdeckt und Hilfe gerufen, doch die kommt zu spät und kann den Betrieb nicht mehr retten. Als sie eintrifft, wälzt sich ihr ein brennender Schlammstrom entgegen: "Die ganze Straße hat gebrannt", erzählt Feuerwehrpressesprecher Jens Bulmahn später. Er hat das Ganze mit seiner Kamera festgehalten und ist auch mit auf die Drehleiter gestiegen, die sich dem brennenden Inferno vorsichtig genähert hat. Daraus entsteht zunächst ein Missverständnis, das die Retter in dieser Nacht stundenlang in Atem hält. Denn auf einem der Fotos in Bulmahns Digitalkamera glaubt einer der Mitarbeiter von NordiTube zu erkennen, dass es sein Unternehmen getroffen hat. Dort arbeitet auch eine zweiköpfige Nachtschicht. Es wird in dieser Nacht lange dauern, bis klar ist, dass die Männer wohlauf sind: Betroffen ist eben doch OWL Entsorgung.

Dichte Rauchwolken wälzen sich derweil Richtung B 239, und ein durchdringender Geruch nach Lösungsmittel und verschmortem Kunststoff hängt in der Luft, kriecht in die Lungen und legt sich auf die Bronchien. Bereits jetzt fällt das Atmen schwer, "man kann es ja sogar schmecken", sagt Joachim Hartfelder, Führer der Blomberger Wehr.

In sicherer Entfernung, auf dem Parkplatz an der Einmündung zur Julius-Müller-Straße, sammeln sich die Einheiten. Trotz schweren Atemschutzgerätes trauen sich die Feuerwehrleute zunächst nicht näher als 60 Meter an den Brandherd heran: Immer wieder knallt es bedenklich, und zu diesem Zeitpunkt weiß keiner so genau, mit welchen gefährlichen Stoffen sie es eigentlich zu tun haben. Und wie viel Gift pumpt jeder Atemzug im Umfeld des Brandes in die Lunge? Wird die ganze Bude in die Luft fliegen? – Das mulmige Gefühl spiegelt sich in den Gesichtern wieder. Joachim Hartfelder verteilt Messgeräte an seine Jungs vom Atemschutztrupp: "Versucht mal, in der Nähe Proben zu nehmen", weist er sie ein.

Hartfelder ist Teil der Troika, die den ruhenden Pol in dieser hektischen Nacht bildet: Rainer Pook hat die Einsatzleitung übernommen, aber er stimmt sich immer wieder mit Kreisbrandmeister Karl-Heinz Brakemeier und  Hartfelder ab. Im Hintergrund warten Bürgermeister Gert Klaus und Jürgen Benning vom Kreisumweltamt, um sich mit der Feuerwehrspitze zu  beraten. Wohin mit dem kontaminierten Löschwasser? "Wir haben in Lothe eine stillgelegte Kläranlage, dort könnten wir es zwischenlagern", so der Bürgermeister.

Das Untersorgungsunternehmen Wienkemeier aus Eschenbruch kommt der Feuerwehr zur Hilfe: "Aber das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", warnt Firmenchef Wolfgang Wienkemeier.  Dennoch geben er und seine Mitarbeiter ihr Bestes: Die ganze Nacht hindurch befördern sie das Zeug aus der Kanalisation in die drei Saugdrucktankwagen mit Anhängern, um sie in Pufferbecken nach Lothe und in Schieder zu karren. Mit Schläuchen versucht die Feuerwehr, den Vormarsch der klebrig-zähen Masse aufzuhalten – dass sie  dennoch im Bach jenseits der B 239 landet, wird auch sie nicht verhindern können. Doch das wird erst bei Tageslicht sichtbar werden.

Vorerst drängen sich entlang der Hauptstraße die Schaulustigen, bis es der Polizei zu bunt wird. Denn sie bewegen sich ähnlich zäh wie der Schlamm: "Ich habe keine Lust, das die ganze Nacht zu wiederholen: Bitte gehen Sie nach hause", tönt es schließlich energisch aus dem Lautsprecher des Streifenwagens. Das hilft.

Derweil haben sich die Einsatzkräfte formiert, auch die Helfer aus den weit entfernten Feuerwehrstandorten wie Leopoldshöhe fügen sich nahtlos ein in die Streitmacht gegen den Großbrand. 300 Männer und Frauen stehen Gewehr bei Fuß, unzählige Tankwagen überbrücken den Wasserengpass, der entsteht, bis die B-Leitung steht.

Die Feuerwehr kämpft sich durch den schier undurchdringlichen Qualm, doch es wird noch Stunden brauchen, bis der Brand der etwa 75 mal 35 Meter großen Halle gelöscht sein wird.

Wie koordiniert man so viele hilfsbereite Hände? Als am anderen Morgen das Schlimmste überstanden und der Brand unter Kontrolle ist, hat ein übernächtigter Einsatzleiter Rainer Pook keine konkrete Antwort auf diese Frage: "In der ersten Stunde habe ich das meiste aus dem Bauch heraus gemacht", sagt er. "Und dann haben wir uns alle paar Stunden zusammengesetzt und die nächsten Schritte geplant. Es hat wirklich gut ineinander gegriffen." Keiner seiner Kameraden hat in dieser Nacht ein Auge zubekommen, entsprechend erschöpft blinzeln die Feuerwehrleute in die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Das Inferno ist

 

 

Super-GAU wird teuer für die Stadt

Rund 400 Einsatzkräfte mit 78 Fahrzeugen haben den Großbrand im Entsorgungsunternehmen in der Nacht zum gestrigen Montag nach Angaben von Bürgermeister Gert Klaus bekämpft. Darunter befanden sich Feuerwehreinheiten aus ganz Lippe, Hilfsorganisationen, Spezialkräfte zur Dekontamination und zum Messen sowie Helfer aus Bielefeld und den Kreisen Paderborn, Höxter und Minden-Lübbecke. Von den Feuerwehren außerhalb Lippes waren vor allem Spezialfahrzeuge gefragt. Gert Klaus rechnet mit Kosten in sechsstelliger Höhe, die die Stadt als Träger des Brandschutzes für den Einsatz zahlen muss: "Es ist der Super-GAU. So einen teuren Einsatz hatten wir noch nie", so Klaus.
"Wir mussten sicherstellen, dass uns für den Löschangriff mit Schaummitteln genug Nachschub zur Verfügung steht", begründete Jens Bulmahn, Pressesprecher der Feuerwehr Schieder-Schwalenberg, die teils weite Anreise der Helfer. So sei es bei einem Einsatz von Schaum entscheidend, konzen­triert und in großen Mengen von allen Seiten anzugreifen. "Sonst frisst das Feuer den Schaum wieder auf", erklärte Bulmahn.
(sb/bas)

 

Brennende Lacke fließen wie Lava über die Straße
Von Ingo Schmitz

ImageSchieder-Schwalenberg (WB). Qualmende Ruinen und Löschschaum soweit das Auge reicht. Die Straßen sind überzogen mit einer dicken, klebrigen Masse. Die mit Farbe verschmierten Feuerwehrleute sehen erschöpft aus.

Das bekannte Malerdorf Schwalenberg (Kreis Lippe) hat eine Brandkatastrophe riesigen Ausmaßes hinter sich. Als die Feuerwehr am Sonntag um 23.30 Uhr zum Einsatz ausrückt, brennt die Lager- und Produktionshalle von »Entsorgung OWL« bereits lichterloh. Ein Flammenmeer erhellt den Nachthimmel über dem Gewerbegebiet. Der Feuerschein ist kilometerweit zu sehen. Bewohner werden durch mehrere Explosionen aus dem Schlaf gerissen.

Als einer der ersten vor Ort ist Einsatzleiter Rainer Pook. Er berichtet: »Vom Firmengelände kam uns ein drei Meter breiter, brennender Fluss entgegen. Es war ein Gemisch aus Farben, Lacken und Leimen – das sah aus wie Lava.«

Das Gebäude, der Hof, die Zufahrt und die Straße brennen, die Flammen schlagen hoch. »Es war fürchterlich heiß. Ich hatte Angst um meine Leute. Zum Glück ist niemand verletzt worden«, sagt Wehrführer Pook, der sofort Großalarm gibt.

400 Einsatzkräfte aus ganz Ostwestfalen-Lippe rücken aus. Die Problematik: Mehr als 100 000 Liter verschiedener Substanzen sind in der Firma nach Polizeiangaben gelagert. Die für das Recycling vorgesehenen Stoffe befinden sich in Tanks in und vor dem Gebäude. Hunderte 1000-Liter-Behälter schmelzen aufgrund der enormen Hitze. Die brennenden Chemikalien werden mit einem Schaumteppich überdeckt. Gleichzeitig versucht die Feuerwehr zu verhindern, dass die Chemikalien in den Kanal und die Gewässer gelangen. Feuerwehrsprecher Jens Bulmahn: »Wir hatten Sorge, dass durch den Kanal eines der Nachbarhäuser in Brand geraten könnte.« Erst um 6 Uhr morgens ist das Feuer gelöscht.

Der Ort Schwalenberg wird komplett abgeriegelt und zwei ältere Bewohner aus einem benachbarten Gebäude gerettet. Per Lautsprecherdurchsagen im gesamten Stadtgebiet sowie in den benachbarten Ortschaften der Stadt Steinheim (Kreis Höxter) wird die Bevölkerung aufgerufen, die Fenster geschlossen zu halten.

Die Feuerwehr führt immer wieder Luftmessungen durch. Um 8.30 Uhr kann Entwarnung gegeben werden. »Außerhalb des direkt betroffenen Einsatzgebietes sind keine Grenzwerte überschritten worden«, erklärt Schieder-Schwalenbergs Bürgermeister Gerd Klaus.

Das Unternehmen Entsorgung OWL besteht seit 20 Jahren. Nach Angaben der Feuerwehr werden hier aus Abfällen brennbare und nicht brennbare Stoffe getrennt. Die brennbaren Stoffe werden in Kraftwerken verheizt.
400 Wehrmänner aus OWL im Einsatz

Spezialisten der Feuerwehren aus ganz Ostwestfalen-Lippe sind zu dem Brand nach Schwalenberg ausgerückt. 400 Wehrmänner wurden alarmiert. Neben den Kräften aus dem Kreis Lippe waren auch Feuerwehrleute aus dem Kreis Höxter (Steinheim, Höxter), Paderborn und Bielefeld sowie die Werksfeuerwehr von BASF in Minden-Lübbecke im Einsatz. Über eine Strecke von zehn Kilometern wurde die Wasserversorgung hergestellt. Nicht nur der Schaden an der Firma ist beträchtlich. Auch der Einsatz wird teuer: Sämtliche Schläuche sowie die Kleidung der Wehrleute müssen gereinigt oder ersetzt werden. Auch ist noch unklar, ob die mit Farb- und Lackresten verschmierte Straße in dem Gewerbegebiet gereinigt werden kann. 


FEUERWEHR-VIDEO, veröffentlicht durch das Westfalen-Blatt

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