Technische Hilfe/Unwetterschäden

18.1.2007, 16:01 Uhr Einsätze

Orkan "Kyrill" fegt durch Deutschland – Über 30 Einsätze für die Feuerwehr Schieder-Schwalenberg

Mit dem Orkantief "Kyrill" ist am Donnerstag der schwerste Wintersturm seit Jahren über Europa gezogen. Bis in die Nacht wurden in Schieder-Schwalenberg mehr als 30 Einsatzstellen von den Einheiten der Feuerwehr Schieder-Schwalenberg abgearbeitet. Wegen akuter Gefahren für den fliessenden Verkehr wurden einige Strassenabschnitte durch Waldgebiete komplett gesperrt, nachdem Autofahrer wegen umgestürzter grosser Bäume vor und hinter ihren Fahrzeugen die Wälder nicht mehr verlassen konnten. Über die Notrufnummer 112 verständigten sie die Rettungsleitstelle, welche die Feuerwehren alarmierte und zu den gefährdeten Personen dirigierte.

Aber nicht nur der Sturm gab Anlass zu grosser Sorge, sondern auch der sehr starke Niederschlag in Form von Regen und Hagel sorgte vor allem im Bereich des Ortsteils Wöbbel dafür, dass Keller volliefen und Strassen überflutet wurden.

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Krisenstab meldet 650 Einsätze
Hochwasser, Stromausfälle, gesperrte Straßen – Grundschule Horn bleibt heute geschlossen
ImageKreis Lippe. Sturmtief „Kyrill“ sorgte gestern für Ausnahmezustand, der Wind fegte nachmittags und abends in Orkanstärke über das Lipperland: Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, umgeknickte Bäume blockierten Fahrbahnen und Bahnlinien, Straßen wurden wegen des anhaltenden heftigen Regens überflutet, in manchen Orten fiel der Strom aus. Zwei Menschen wurden von umherfliegenden Teilen leicht verletzt, zur Höhe der Sachschäden gibt es noch keine offiziellen Angaben.

Halten sich Schäden bis etwa 17 Uhr noch in Grenzen, so schildert Frank Hildebrandt in der Polizei-Leitstelle kurz vor 19 Uhr die Situation als „dramatisch“: Die lippischen Feuerwehren sind flächendeckend im Einsatz, kämpfen gegen umgefallene Bäume, herumfliegende Teile und überlaufende Kanäle. Der Orkan wütet mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 131 Stundenkilometern – gemessen um 18 Uhr an der Wetterstation Oerlinghausen. 450 Einsätze sind es allein bis 19.30 Uhr; zum Redaktionsschluss kurz vor 22 Uhr meldet Thomas Wolf-Hegerbekermeier, Pressesprecher des Kreises Lippe, 650 Feuerwehr-Einsätze, alle Wehren seien in voller Stärke ausgerückt. „Das ist eine immense logistische Leistung, die die Leute vollbringen“, lobt Wolf-Hegerbekermeier. Zunächst Sturmschäden, dann ab etwa 19 Uhr steigende Wasserpegel halten die Blauröcke in Atem. Gegen 21.30 Uhr scheint das Schlimmste überstanden.

Schwer erwischt es die Grundschule in Horn: Sie bleibt am heutigen Freitag geschlossen. Der Wind hat Ziegel vom Dach geweht, das Dach leckt an vielen Stellen. „Da könnte noch mehr runterkommen“, befürchtet Bürgermeister Eberhard Block. Der Unterricht fällt aus, Schüler, die diese Nachricht nicht mehr rechtzeitig erreicht, werden von Lehrern im Anbau für die Offene Ganztagsschule betreut. In Wöbbel tritt die Emmer über die Ufer: Die Lindenstraße steht komplett unter Wasser, die Bewohner müssen evakuiert werden. Auch in anderen Orten kommt es zu Überschwemmungen, die Passade setzt Voßheide zum Teil unter Wasser. Vorwärtskommen ist kaum möglich: Zahllose Straßen sind blockiert, weil immer wieder Bäume umknicken und die Feuerwehr nicht überall gleichzeitig sein kann. Deutsche Bahn, Nord-West-Bahn und Eurobahn stellen den Verkehr ein. Die „Gaffel“ zwischen Barntrup und Blomberg bleibt die ganze Nacht gesperrt.

Teilweise geraten auch die Helfer in Not: Am Forsthaus in Blomberg wird ein Streifenwagen von zwei umstürzenden Bäumen eingekeilt – die Feuerwehr muss die Bäume schnell entfernen, damit die Polizei zum nächsten Einsatz fahren kann.

Eine Orkanböe deckt das Dach der Werkstatt des Autohauses Stegelmann in Schötmar ab. Tennisplatzgroße Wellblechstücke fliegen meterweit durch die Gegend und landen zum Teil auf einem benachbarten Imbiss. Die Feuerwehr muss die Stücke zum Abtransport in Einzelteile zerlegen.

Schon am Nachmittag waren in Lippe gefährdete Bereiche gesperrt, Veranstaltungen und Sitzungen abgesagt und teilweise Geschäfte früher geschlossen worden.

Unheilvolle Mischung aus Sturm und Wasser
Unwetter „Kyrill“ über Lippe: Streiflichter aus einzelnen Kommunen

ImageDie Ruhe vor dem Sturm:die Fußgängerzone in Bad Salzuflen gestern am Nachmittag.Foto: ReinekeVon der Lokalredaktion
Kreis Lippe. Bereits am Vormittag war der Krisenstab des Kreises zusammengetreten, um Maßnahmen gegen den zu erwartenden Orkan zu treffen. Nicht nur wurde das Personal in der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst aufgestockt, sondern die Empfehlung an alle Schulen und Kindertagesstätten herausgegeben, den Betrieb am Mittag einzustellen. Wie gut die Verantwortlichen daran taten, zeigen folgende Streiflichter aus lippischen Kommunen.

Ulrich Sprenger, Pressesprecher der Feuerwehr in Detmold, hatte am späten Abend nur eine knappe Prognose für die Nacht parat: „Ende komplett offen.“ Bis etwa 22 Uhr waren die Kräfte bei mehr als 100 Einsätzen vor Ort gewesen: „Hauptsächlich ging es um umgestürzte Bäume.“ Verletzte, so Sprenger, habe es bis zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise nicht gegeben. Einsatzschwerpunkte im Detmolder Stadtgebiet konnte er nicht ausmachen. „Kreuz und quer ohne speziell herausragende Ereignisse“, lautete die Zwischenbilanz Sprengers.

In Horn-Bad Meinberg hatte die Feuerwehr allein zwischen 15 und 20 Uhr 52 Einsätze zu leisten – vor allem mussten umgestürzte Bäume von der Straße geholt werden, eine Straße war in Veldrom überflutet, am frühen Abend kamen etliche voll gelaufenen Keller dazu. Der Schwerpunkt der Baumräumungen lag nach Angaben der Feuerwehr zunächst in Bad Meinberg, verlagerte sich dann in den Stadtwald. Mehrere Straßen mussten gesperrt werden, am Waldschlößchen lagen alleine sechs große Fichten auf der Fahrbahn und brachten den verkehr zum Erliegen.

Für eine Stunde gingen gegen 18.40 Uhr in mehreren Ortsteilen die Lichter aus: Unter anderem Bad Meinberg, Vahlhausen, Bellenberg und Wehren waren komplett ohne Strom.

„Böse, böse“ sah es in Schlangen gegen 20 Uhr aus, wie Gemeindebrandmeister Michael Müller sagte. Teile des Daches der Rennekamphalle waren weggeflogen, ein Auto war von einem umstürzenden Baum getroffen worden. In Schlangen hatte sich der Sturm erst relativ spät bemerkbar gemacht – gegen 19 Uhr hatten die Schlänger Blauröcke noch die Kameraden in Horn am Waldschlößchen unterstützt.

Lages Wehrführer Rolf Vothknecht ist seit mehr als vier Jahrzehnten Feuerwehrmann und hat in dieser Zeit im Einsatz viel erlebt. Aber, dass Sturm und Wasser sich zu einer derart unheilvollen Mischung zusammengebraut haben, hätte er sich nie träumen lassen. „Ein Element allein ist schon gefährlich, und jetzt zwei auf einmal, das ist schon eine ganz besondere Herausforderung“, sagte er gestern Abend. Seit 13.30 Uhr hat er knapp 30 Einsätze gezählt, sind die Löschzüge Lage, Heiden, Kachtenhausen sowie die Löschgruppen Pottenhausen und Hagen unermüdlich im Einsatz. Dass es bisher nur bei Sachschäden blieb, beruhigt ihn bei aller Hektik in der Feuerwache.

Viel zu tun gab es trotzdem: Ein Baum krachte auf ein Haus, ein anderer durchtrennte eine Stromleitung – für Sekunden fiel in der gesamten Lagenser Innenstadt der Strom aus. Nach stundenlangen Regenfällen traten Bäche über die Ufer und überfluteten ganze Straßenzüge. Die Kanalisation schaffte die Wassermassen nicht mehr. Besonders schlimm hatte es die Tiefgarage der Sparkasse erwischt. Hier stand die eingedrungene braune Brühe knöcheltief und musste von alarmierten Mitarbeitern zusammen mit Einsatzkräften der Feuerwehr abgepumpt werden.

„Sie müssen sich mal anschauen, wie es da oben in Linderhofe aussieht“, sagte Frank Dubbert, Chef der Löschgruppe Lüdenhausen der Freiwilligen Feuerwehr Kalletal, als er gegen 18 Uhr seine Motorsäge in Tevenhausen ausschaltet. Dort hat er zusammen mit Ingo Meier und Matthias Rügge gerade dafür gesorgt, dass die Straße zwischen Heidelbeck und Langenholzhausen wieder passierbar ist. Wie viele Bäume sie in den vergangenen Stunden von der Straße geholt haben, hat Dubbert nicht gezählt.

Auf der Fahrt zum Sternberg gibt es für die LZ in der Ortsmitte Lüdenhausens den nächsten Stopp – der inmitten dichter Wohnbebauung umgestürzte Baum hat glücklicherweise keinen größeren Sachschaden angerichtet. Klaus Grote und seine Kollegen von den Lüdenhauser Feuerwehr sind mit Säge und Muskelkraft zur Stelle und haben das Problem recht schnell im Griff. Wie viel Arbeit die Kollegen vor allem im Extertal gehabt haben müssen, zeigt sich bei der Fahrt über den Grennerberg an der Gemeindegrenze zwischen Kalletal und Extertal sowie den Sternberg hinunter nach Dörentrup – alle paar Meter sieht man in der Dunkelheit abgesägte Bäume, teilweise mit beachtlichem Durchmesser, im Straßengraben liegen, und die Fahrbahnen sind massenweise mit abgebrochenen Ästen bestreut.

Einer der kritischsten Punkte in Extertal war schon am späten Nachmittag die Straße zwischen Laßbruch und Asendorf gewesen, die komplett gesperrt wurde. Bürgermeister Hans Hoppenberg: „Da knickt wohl eine Fichte nach der anderen um.“

Keine Zeit zum Durchschnaufen hatten auch die Feuerwehren im lippischen Westen. Eine Orkanböe deckte das Dach der Werkstatt des Autohauses Stegelmann in Schötmar ab. Tennisplatzgroße Wellblechstücke flogen meterweit durch die Gegend und landeten zum Teil auf einem benachbarten Imbiss. Die Feuerwehr musste die Stücke zum Abtransport in Einzelteile zerlegen. Schlimm erwischte es auch ein Haus an der Hauptstraße in Asemissen. Laut Aussage von Leopoldshöhes Gemeindebrandmeister Harald Schubert wurde es nahezu komplett abgedeckt. Keine schwerwiegenden Folgen hatte zum Glück ein Blitzeinschlag in Evenhausen. Auch in Oerlinghausen waren die Rettungskräfte permanent im Einsatz. Der gefährlichste Fall: In Höhe des Hotels Mügge brach die Währentruper Straße am Rand ab, nachdem Regenwasser den Asphalt unterspült hatte.

Gesperrt wurden im Westen Lippes auch andere Straßen. Zum Beispiel alle, die durch die großen Salzufler Waldgebiete führen. Die Gemeinde Leopoldshöhe sperrte aus Sicherheitsgründen die Brücke am Bürgermeister-Brinkmann- Weg und die Fettpottstraße. In der Werkstraße in Holzhausen drohte am späten Abend ein großes Zelt abzuheben. Das Technische Hilfswerk versuchte dies mit aller Kraft zu verhindern. Insgesamt zählte allein die Salzufler Feuerwehr bis kurz vor 22 Uhr rund 80 Einsätze – in der Mehrzahl umgestürzte Bäume.

Kontrastprogramm gestern Abend in der Detmolder Fußgängerzone. Regen tröpfelt in gewöhnlichen Mengen auf den Boden, der Wind bläst kräftig, aber wenig Furcht einflößend durch die Lange Straße. So ist die Detmolder Achse auch nicht gänzlich menschenleer. Mehrere Herrchen führen ihre Vierbeiner ums Eck, während in den Geschäften Angestellte dann doch recht einsam hinter ihren elektronischen Kassen stehen. Die einzigen Anhaltspunkte für die Kräfte der Natur sind zu diesem Zeitpunkt die bunt voll gestopften Mülleimer: Regenschirmgerippe mit flatterndem Nylon. Ab und zu deutet eine zuschlagende Böe die Dimension des Abends an, aber das ist alles. Auch in der Tapas-Bar des Spieker an der Ameide füllen sich die Tische – die Katastrophenmeldungen, die Radio Lippe aus dem Hintergrund verbreitet, scheinen längst nicht jedem auf den Magen geschlagen zu sein.

In den Innenstädten war es bereits nachmittags weitgehend leer; die Menschen blieben zu Hause. Auch einige Geschäfte schlossen wegen der Sturmwarnung früher als üblich. Vorsorglich waren bereits am Nachmittag die Gauseköte und die Fürstenallee zwischen Detmold-Berlebeck und Schlangen gesperrt worden. Entlang dieser Straßen stehen zahlreiche alte Bäume, die zum Teil als Naturdenkmale ausgewiesen sind. Die Stadt Detmold hatte schon ab 12 Uhr den Palaisgarten gesperrt.

In Leopoldshöhe sagte Bürgermeister Gerhard Schemmel die die Haupt- und Finanzausschusssitzung ab – die Referenten aus Bünde hatten sich geweigert, anzureisen. Die Ratssitzung in Schlangen fiel aus, ebenso die Finanzausschusssitzung in Extertal. Auch die für den Abend geplante Eröffnung der Heinrich-Drake-Ausstellung im Kreishaus fand nicht statt: Der Kreis wollte den Schülern der Heinrich-Drake-Realschule aus Detmold und der -Hauptschule aus Lemgo, deren Werke jetzt erst ab nächster Woche zu sehen sein werden, die Anreise nicht zumuten. Planmäßig über die Bühne ging dagegen die „Magic Night of Dancing Musicals“ in der Lipperlandhalle. Der Krisenstab des Kreises sah keine besondere Gefahrenlage für die Besucher.

Das Kreisumweltamt des Kreises wies darauf hin, dass die prognostizierte Wassermenge von 50 Litern pro Quadratmetern in 24 Stunden bei weitem nicht so groß ist wie beim Hochwasser an Pfingsten 2003. Allerdings waren die Böden durch die Regenfälle der vergangenen Tage sehr nass.

Orkantief Kyrill richtet schwere Schäden in NRW an – Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Innenminister Ingo Wolf danken den Hilfskräften für ihren Einsatz

ImageMinisterpräsident Jürgen Rüttgers hat heute (19.01.) in Düsseldorf den Angehörigen der Opfer des Orkans Kyrill sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Der Orkan, der über Deutschland hinwegfegte, ist verantwortlich für den Tod von insgesamt fünf Menschen und für über 140 Verletzte in Nordrhein-Westfalen. Unter den Opfern waren auch zwei Feuerwehrmänner im Alter von 39 und 50 Jahren. Rüttgers dankte den Hilfskräften für ihren Einsatz: „Feuerwehr, Polizei und Hilfskräfte haben Heldenhaftes geleistet.“ Der Ministerpräsident hob zudem die Besonnenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen hervor: „Sie war vorbildlich. Das zeigt: Unsere Gesellschaft hält zusammen, wenn Not am Mann ist.“ Auch Innenminister Dr. Ingo Wolf dankte allen Hilfskräften: „Die  Helfer waren unter gefährlichsten Bedingungen auf unseren Straßen tätig.“ Der Minister sagte, er bedauere den Tod der beiden Feuerwehrmänner, die bei ihrem gefährlichen Einsatz für andere Menschen ihr eigenes Leben lassen mussten.
 
Der Betroffenheit auf der einen Seite steht in der heutigen Bilanz von Innenminister Dr. Ingo Wolf gegenüber, dass die Einsätze mit allen örtlichen Kräften zu bewältigen waren. „Wie schon bei anderen Unwetterlagen in unserem Land waren die Feuerwehren in NRW auch dieser Spitzenbelastung gewachsen“, lobte der Innenminister. Bis zum Freitagmorgen verzeichnete die Feuerwehr mehr als 35.000, die Polizei 13.500 Einsätze. Damit war NRW stärker betroffen als alle anderen Bundesländer. Der Sachschaden wird bisher auf knapp 30 Millionen Euro geschätzt. In den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein und in der Stadt Dortmund wurde der Katastrophenfall festgestellt. In etlichen Gemeinden fiel der Strom vorübergehend aus.

Die Kräfte rückten im wesentlichen aus wegen umgestürzter Bäume, herabfallender Dachziegel, beschädigter Autos, Gebäude und Stromleitungen. Es kam in mehreren Gebieten zu Stromausfällen und Überschwemmungen. Eine 23-jährige Frau wurde in Lippstadt in ihrem PKW von einem umstürzenden Baum erschlagen, ebenso ein 34jähriger Motorradfahrer in Essen. Ein 22-jähriger Autofahrer im Kreis Olpe verunglückte tödlich. „Allen Opfern und ihren Angehörigen gilt mein ganzes Mitgefühl“, erklärte Wolf.





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