Technische Hilfe/Sonstige, Schieder

1.2.2006, 18:15 Uhr Einsätze

Mit Herz und einem Stuhl
Unbekannter rettet zwölfjährigen Jungen aus dem eiskalten Schieder-See

Image (an). Der strahlende Sonnenschein über dem SchiederSee und die große Eisfläche waren zu verlockend. Und das wurde gestern nachmittag einem zwölfjährigen Jungen aus Schieder beinahe zum Verhängnis: Er wagte sich zu weit aufs Eis. Dem Mut und der Tatkraft eines Unbekannten ist es zu verdanken, dass Mike Radau gerettet wurde. Seit Tagen ist der See in weiten Teilen zugefroren. Aber eben nur in Teilen. Und gerade im Bereich der Seeterrassen, wo die Emmer in den See mündet, ist es besonders gefährlich: Hier ist das Eis schon ziemlich dünn. "Ich dachte, das Eis trägt mich", erzählte Mike Radau gestern abend der LZ am Telefon, nachdem er erst mal ein heißes Bad genommen hatte. Es trug eben nicht: "Plötzlich bin ich eingebrochen." An dieser Stelle ist der See nicht sehr tief, Mike konnte sogar noch stehen. "Aber ich kam nicht mehr raus. Ich habe es immer wieder versucht, aber das Eis ist immer wieder abgebrochen." Auch seinem Kumpel, mit dem er sich auf dem Eis getummelt hatte, gelang es nicht, ihm zu helfen. Die Gefahr der Unterkühlung wurde immer größer. Ein älterer Herr beobachtete das Geschehen auf dem Eis, wie Kathrin Schäfer, Bedienung im nahe gelegenen Café "Seeterrassen", berichtete. "Plötzlich kam einer unserer Stammgäste zu mir und sagte: ,Da ist einer eingebrochen'. Ich habe sofort die Feuerwehr angerufen." Doch während die noch unterwegs war, griff der Mann ein: "Er schnappte sich einen unserer Stühle und robbte aufs Eis zu dem Jungen hinüber. Der hat sich dann an den Stuhlbeinen aus dem Wasser ziehen können." Genauso wars: "Er hat gesagt, ich soll mich einfach nur festhalten, er zieht mich dann schon raus", bestätigt Mike. "Ein anderer Mann hat ihn dann festgehalten." "Das war natürlich ziemlich pfiffig", ist Schieder-Schwalenbergs Stadtbrandinspektor Jens Bulmahn beeindruckt. Glücklicherweise ist dem Jungen nichts Schlimmeres passiert. Weil bei ihm zuhause gerade niemand war, holten Nachbarn den patschnassen Schüler ab. Sein Retter hingegen machte sich unerkannt von dannen. "Er kommt oft zu uns, aber ich weiß seinen Namen nicht", so Kathrin Schäfer. Sie wird ihm auf jeden Fall ausrichten, dass er sich bei der Polizei melden soll, denn ein dickes Dankeschön ist ihm gewiss. "Wenn der nicht gewesen wäre, dann wäre bestimmt Schlimmeres passiert", meint die junge Frau. Als die Feuerwehr nach wenigen Minuten ankam, blieb ihr nur noch, den Ranzen des Jungen zu holen, der noch immer jenseits der Einbruchstelle auf dem Eis lag. Die Schiederaner Feuerwehrleute nutzten die Gelegenheit zu einer kleinen Übung. Einer von ihnen wurde angeleint und bewegte sich auf zwei Leitern auf die Bruchstelle zu. "Das ist mal eine ganz gute Gelegenheit, Rettungstechniken auszuprobieren", meinte Mike Mundhenke, bei der Feuerwehr Spezialist für Wasserrettung. Was nicht heißen soll, dass die Feuerwehr scharf darauf ist, Leichtsinnige aus solchen Gefahrensituationen zu retten. "Ich kann nur eindringlich davor warnen, das Eis auf dem Schieder-See zu betreten", so Einsatzleiter Jens Bulmahn vor Ort. Wie auch Bürgermeister Gert Klaus betonte, hat die Erholungszentrum Schieder GmbH die Eisfläche gesperrt. Was unvernünftige Leute aber offenbar keineswegs davon abhält, darauf zu klettern. Für Mike Radau steht eines jedenfalls fest: "Aufs Eis gehe ich nie wieder."




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