Grossbrand, Schieder

11.1.1979, 7:45 Uhr Einsätze

Millionenschaden bei der Firma Schieder-Möbel
Zentrales Magazin durch Großfeuer total vernichtet – Kripo hat keine Anhaltspunkte für Brandstiftung

Schieder-Schwalenberg. Um 7.45 Uhr wurde der Alarm bei Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Vermutlich durch einen Defekt in der Lackstraße und anschließenden Funkenschlag war der Schleifstaubbunker im Werk I der Schieder-Möbel Wortmann KG explodiert und hatte das zentrale Magazin in Brand gesetzt. Das dort gelagerte Material wurde vollständig ein Raub der Flammen. Über die Schadenshöhe herrscht augenblicklich noch Unklarheit. Während die Kriminalpolizei nach „vorsichtigen Schätzungen“ von „mindestens zwei Millionen Mark“ ausgeht, bezeichnete ein Vertreter der betroffenen Firma die Summe als „ noch nicht abschätzbar“. Es habe aber „ernorme Materialverluste“ gegeben.

Vermutungen, nach denen Werte in Höhe von fünf Millionen Mark vernichtet worden sind, wurden von der Geschäftsleitung nicht ausdrücklich dementiert. Obwohl zur Unglückszeit auf Gelände schon voll gearbeitet wurde, kam keine Person zu Schaden. Auf Grund der starken Rauchentwicklung musste die Polizei die Bahnhofstraße in Schieder für mehrere Stunden sperren. Die Kriminalpolizei verfügt bisher über keinerlei Hinweise, die auf vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung schließen lassen.

Zur Bekämpfung des Feuers waren in erster Linie Wehren aus Schieder-Schwalenberg und Blomberg eingesetzt. Ein Löschfahrzeug mit Drehleiter kam aus Detmold zu Hilfe. Im Gebäude selbst konnte nur mit schwerem Atemgerät gearbeitet werden. Wie die Geschäftsleitung gegenüber der LZ erklärte, lagerten in dem Magazin vor allem Furniere, Folien, Beschläge und Elektromaterial. Anliegende Sozial- und Aufenthaltsräume für Arbeitnehmer sowie die zentrale Schlosserei wurden ebenfalls vernichtet. Da wegen des Brandes die gesamte Stromversorgung ausgeschaltet werden musste, konnte auch in den anderen Werken lange Zeit nicht gearbeitet werden. Darüber hinaus war auch die Anlieferung dringend benötigten Rohmaterials gefährdet.Im Werk I, so die Geschäftsleitung weiter, „läuft zunächst nichts“. Die komplette Absaugung ist hier ausgefallen, Rohre sind geplatzt, und auch die Lackstraße wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Den hierdurch bedingten Umsatzausfall – im Werk I wurden furnierte Anbausysteme hergestellt – bezifferte ein Sprecher der Firma auf etwa 700.000 Mark täglich. Die Feuerwehrleute waren noch in den Abendstunden im Einsatz. Wie lange die Aufräumungsarbeiten dauern, ist noch nicht abzusehen. Sie werden jedenfalls auch am heutigen Samstag mit Hochdruck vorangetrieben.

<<weiterer Artikel, Zeitung unbekannt, 12.01.1979, Seite 9>>

100 Feuerwehrleute gestern bei Schieder-Möbel im Einsatz
Millionenschaden nach Explosion – Kripo schließt Brandstiftung aus – Wie durch ein Wunder niemand verletzt – 500 Arbeitsplätze betroffen

Lippe, Schieder-Schwalenberg. Um 7.40 Uhr erschütterte gestern morgen eine Explosion im Schleifstaubbunker den Werksbereich I bei Schieder-Möbel. In sekundenschnelle breitete sich ein verheerendes Großfeuer auf das angrenzende Zentralmagazin der Möbelfabrik aus. Alle in diesem Bereich Beschäftigten konnten sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Zunächst bemühten sich werksangehörige Feuerwehrleute, den Brand einzudämmen. Schon nach knapp 15 Minuten war die sofort alarmierte Feuerwehr aus Schieder-Schwalenberg am Ort der Katastrophe. Um des Großbrandes Herr zu werden, rückten auch die Wehren aus Blomberg, Barntrup, Detmold und Lemgo an. Vor Ort leitete Kreisbrandmeister Horst Dähling den Einsatz der rund 100 Feuerwehrleute. Nach einer Stunde brachten die Wehren den Brand unter Kontrolle. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten die Männer sich mit schwerem Atemschutzgerät zum Brandherd vorkämpfen. Dabei stießen sie auf unerwartete Schwierigkeiten, da ein Gebäudetrakt zwischen Schleifmittelbunker und Zentralmagazin zerstört worden war. Rund 2500 Meter Schlauch-Doppelleitung verlegten die Wehren bis zur nächsten Wasserentnahmestelle.Die Dr. Heiner Griem und Wolf Rust von der Geschäftsleitung der Schieder-Möbel Wortmann KG mitteilten, wurden von dem Großbrand etwa 500 Arbeitsplätze betroffen. Allerdings würden die Beschäftigten in anderen Werksbereiche umgesetzt, bis die Produktion im Bereich I wieder aufgenommen werden könne.

Durch die Vernichtung des Zentralmagazins, in dem Folien, furniere und Beschläge für sämtliche Werksbereiche gelagert wurden, ist auch die Produktion in den anderen Werksbereichen in Mitleidenschaft gezogen worden. Man hoffe, in einer Woche die Möbelherstellung wieder in vollem Umfang aufnehmen zu können.Nach Schätzungen von Werksleitung und Kriminalpolizei dürfte die Schadenshöhe mindestens zwei Millionen Mark betragen. Die kriminalpolizeilichen Untersuchungen ergaben, dass vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung auszuschließen ist. Vermutlich führte ein technischer defekt zu der Explosion, als ein sogenanntes Sicherungsschütz heraussprang und ein Kurzschluß an der elektrischen Anlage einer der Schleifmaschinen auftrat.


Die noch laufenden Untersuchungen des Detmolder Gewerbeaufsichtsamtes ergaben bis jetzt, dass in Zukunft wohl Änderungen an der Schleifstaubfilteranlage (Zyklon) vorgenommen werden müssten. Möglicherweise erwiesen sich auch die Explosionssicherungen (Rückstauventile) als zu schwach, als der leichtbrennbare Schleifstaub verpuffte. Ein Sprecher des Gewerbeaufsichtsamtes sprach von einer "gehörigen Portion Glück", daß keiner der dort Beschäftigten von umherfliegenden Trümmern der Rohrleitungen getroffen wurde. Wie aus der gleichen Quelle zu erfahren war, bestand entgegen anders lautenden Gerüchten zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung der Bevölkerung durch Giftgase: Die Rauchsäule, die gestern über Schieder stand, resultierte im Wesentlichen aus verbrennenden Holzspänen.




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